| Beschreibung der maßgeblichen Gründe |
Für das zentrale radiologische Institut (ZRI) der Klinik Landstraße soll ein biplanares Angiographiegerät angeschafft werden. Die interkonventionelle Radiologie des ZRI mit der mechanischen Thrombektomie ist bereits seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil der Schlaganfallversorgung in Wien. Abgesehen von den intrakraniellen Gefäßverschlüssen gibt es aber noch ein großes Patientenkollektiv mit intrakraniellen Aneurysmen und arterio-venösen Malformationen, das in der Klinik zu einem großen Teil noch mittels klassischer neurochirurgischer OP behandelt wird, obwohl es in vielen Fällen auch eine minimal-invasive, endovaskuläre Therapie-Option geben würde. Um solche Eingriffe im Kopf in Zukunft dem Stand der Wissenschaft und Technik bei höchster Patientensicherheit durchführen zu können, ist daher seitens der Klinik die Beschaffung einer biplanaren Angiographie-Anlage erforderlich, welche wesentliche Kriterien erfüllen muss.<br />Besonders schnelle Rotation des C-Bogens, sodass eine Rotationsangiographie in knapp 2 Sekunden möglich ist. Die erhebliche Einsparung von i.a. verabreichten Kontrastmittel ist gerade bei Schlaganfall-Patienten sehr relevant, da sich große Mengen an Kontrastmittel negativ auf das postinterventionelle Hirnödem auswirken. Die schnelle Akquisition reduziert das Risiko von Bewegungsartefakten und senkt die applizierte Strahlendosis.<br />Die schnelle Akquisition ermöglicht nach i.v. Kontrastmittel-Gabe die Anfertigung mehrerer Rotationsangiographien in rascher Abfolge, um mittels Software-Algorithmus eine Neuro-Perfusion zu errechnen. Damit ist es möglich die Durchblutung des Gehirns inkl. der Kollateralgefäße und daher den klinischen Zustand von Thrombektomie-Patient*innen direkt am Angiographie-Tisch zu beurteilen, was ebenfalls die Therapie-Entscheidung beeinflusst, ohne den Umweg über ein Schnittbild-Gerät machen zu müssen. Dies würde in diesem zeitkritischen Szenario („time is brain“) deutlich Zeit einsparen, auch Publikationen zeigen eine Zeitersparnis von rund 30 Minuten.<br />Bei Rotationsangiographien kann sich die zweite (inaktive) Röhre synchron mitdrehen und muss nicht geparkt werden, was wieder eine erhebliche Zeitersparnis (ca. 30-60 Sekunden) bedeutet. Dies stellt bei Interventionen, welche maßgeblich vom Faktor Zeit abhängen, einen bedeutenden Vorteil dar. Andererseits wird unmittelbar die Patientensicherheit erhöht, da bei anästhesiologisch betreuten Patient*innen, wie bei Schlaganfall, keine Lines (Beatmungsschlauch, Infusionen, Monitoring) vom C-Bogen erfasst werden.<br />Sowohl für die chirurgische als auch die endovaskuläre Versorgung von intrakraniellen arteriovenösen Malformationen sind die Flussverhältnisse in den zuführenden Arterien und abführenden Venen essentiell für die Therapieplanung. Die Möglichkeit einer zeitlich aufgelösten Rotationsangiographie erlaubt eine detaillierte Analyse von dynamischen Flussverhältnissen mit dreidimensionaler Bildgebung.<br />Die technischen Eigenschaften der biplanaren Angiographieanlage weisen Alleinstellungsmerkmale auf. Die von der Auftraggeber*in durchgeführte Marktrecherche hat ergeben, dass lediglich ein Anbieter ein Gerät mit den Mindestanforderungen anbieten kann, welches aus klinischer Sicht den Anforderungen für die operative Tätigkeit entspricht. Auf Basis der wesentlichen Kriterien wird die Beschaffung einer ARTIS icono biplane IR Pro der Firma Siemens angestrebt.<br />Es handelt sich daher um sachliche, anforderungsbedingte Gründe, die zu einem bestimmten Leistungsprofil des zu beschaffendes Gerätes führen, aus technischen Gründen ist demzufolge kein Wettbewerb vorhanden.<br />Vor diesem Hintergrund erfolgt gegenständlich die Durchführung eines Verhandlungsverfahrens ohne vorherige Bekanntmachung gemäß § 36 Abs 1 Z 3 lit a BVergG 2018. |